Kapverden: Afrika trifft auf Europa

Die Inseln der Kapverden haben sich vom Geheimtipp inzwischen zu einer vielbeworbenen Ganzjahresdestination gemausert. Es ist auch zu verlockend, bei 6-7 Stunden reiner Flugzeit ohne gravierende Zeitverschiebung von Deutschland aus in die südliche Wärme auf diese weithin unbekannten und geheimnisvollen Inseln zu entfliehen. Je unbekannter ein Urlaubziel ist, und je weniger authentische Erfahrungen vorliegen – sei es nun in der Presse oder Internet , um so leichter können die großen Unternehmen der europäischen Tourismusindustrie mit übertriebenen Werbeversprechen ihre Unterkünfte füllen.

Werbeversprechen trifft auf die Realität

Ein Beispiel: Für das neue All-inklusive Badeziel Boavista wurde in der Berliner Zeitung geworben: „Karibik-Strand trifft Sahrara-Wüste“.

Nun: Das typische Bild für Karibik ist wohl eine palmengesäumte Lagune mit Liegestuhl und einem Drink. Aber die dazu gehörende Palme findet man auf den Kapverden nur im nördlichsten Teil der Hauptinsel Santiago am weißen Sandstrand von Tarrafal.

Leute, lasst doch bitte die Kirche im Dorf. Solche Werbung haben die Kapverden wirklich nicht nötig! Jenseits solch billiger Reklametricks blieben noch immer genügend Gründe, für seinen Erholungsurlaub auf den Kapverden zu fliegen. Einer der wichtigsten Gründe ist meiner Meinung nach die kapverdische Einstellung zur Zeit

„Bei euch Europäer ticken die Uhren, aber wir Kapverder genießen die Zeit“, in Abwandlung eins alten afrikanischen Bonmot ist damit das Lebensgefühl der Kapverder gut beschrieben: Auf den Kapverden gilt eine andere Zeitrechnung. Lassen Sie sich auf diese Stimmung ein und Sie können hier den ganzen Tag über Ruhe finden und sich vom stressigen Alltag ein Europa entspannen!

Erst das reale Kapverdische Zeitgefühl erst bringt die Erholung

Aber dieses Europäern meist unbekannte Lebensgefühl begegnen Sie nicht im Getto einer All Inklusive Anlage, die nur den gewohnten europäischen Komfort plus die dort fehlende Sonne anbieten. Und dafür hat es auf den Badeinseln zu viele ausländische Urlauber und viel zu wenige Kapverder, die nicht im Tourismus arbeiten. Für dieses Zeitgefühl müssen Sie raus aus der Geborgenheit ihrer Anlage und runter von Ihrer Badeinsel, egal ob Sie nun auf Sal oder Boavista gelandet sind.

Die Kapverdischen Insel und ihre Einwohner können Sie nur im Land kennenlernen

Um die Kapverden zu entdecken, brauchen Sie gewisse Sprachkenntnisse. Auch sollten Sie Zeit, Geduld und manchmal auch eine Portion Abenteuergeist mitbringen. Dafür werden Sie reichlich belohnt mit einer landschaftlichen Schönheit, die fasziniert. Sie begegnen einer Vielfalt der Menschen und Kulturen und vor allem einer Ursprünglichkeit, wie man sie im Zeitalter des Massentourismus nur noch selten vorfindet.

Urlaub jenseits der Badedestination Sal und Boavista.

Jenseits der reinen Badedestinationen Sals und Boavista können Sie auf folgenden Inseln Urlaub machen

São Vicente

Die Inselhauptstadt Mindelo hat nicht nur an Ihrer Uferstraße zahlreiche alte Häuser im Kolonialstil. Da es keinen Veranstaltungskalender gibt, ist es immer etwas schwierig, die vielbeschworene Live Musik in Mindelo zu finden. Für viele Wanderer und Trekker ist die Insel allerdings nur das Sprungbrett auf die Fähre hinüber nach Santo Antão. Die Insel Sao Vicente wird von der portugiesischen TAP und der Kapverdischen Fluglinie TACV angeflogen.

Santiago

Hier sind Sie auf der bevölkerungsreichsten und gleichzeitig vielfältigsten Hauptinsel der Kapverden. In der Hauptstadt Praia befindet sich auch der Sitz der Regierung.

Eher eine typische 3-Welt Hauptstadt, hat sie sich in den letzten Jahren ordentlich herausgeputzt. Im historischen Zentrum Platô wurde eine belebte Fußgängerzone eingerichtet, in der auch viele öffentliche Konzerte stattfinden. Hier im Zentrum begegnen Sie wie in Mindelo dem Leben der Groß-Städter.

Ein zweiter Anziehungspunkt ist das Unesco-Weltkulturerbe Cidade Velha, übersetzt die Alte Stadt. Cidade Velha war während der Blütezeit der Sklaverei unter den Portugiesen die Hauptstadt bevor Praia diese Funktion übernahm.

Cidade Velha ist der Ort, wo die Geschichte der Kapverden und des Kreol als Kultur und Sprache begann. Da die Menschen hier öfters etwas dunkler sind, und sich eher afrikanische Traditionen wie Batuko und die Tabanka erhalten haben, wurde für Santiago mit Begriffen wie die Afrikanerin oder Afrika light geworben. Treffender ist wohl: Santiago, dort wo Afrika auf Europa trifft.

Naturliebhaber und Wanderer finden reichlich Landschaft und Pfade im Inneren der Insel Santiago rund um den Pico de Antonia und im Naturschutzgebiet Serra de Malagueta. Vogelbeobachter halten sich bevorzugt rund um den Ort Pedra Badejo und den Stausee von Poilão auf. Wanderfreudige Badeurlauber nehmen am liebsten im in Tarrafal Quartier. Hier befindet sich der einzige Palmenumsäumte weise Sandstrand der Kapverden

Verbindung: Neben der TACV  – Caboverde Arlines ex Lissabon und der portugiesischen Fluglinie TAP Portugal Airlines via Lissabon wird der internationale Flughafen Praia auch zweimal wöchentlich von der Air Senegal angeflogen.

Vulkaninsel Fogo

Die Schwärze des Lavagruss in der bewohnten Caldeira bietet nochmals eine ganz andere Landschaft. Der Aufstieg auf den Vulkan Pico de Fogo ist sicher eines der Highlights für jeden Wanderer.

Die Inselhauptstadt São Filipe verbreitet mit ihren alten Herrenhäusern fast schon Mittelmeer Flair.

Verbindung: Fogo kann man mit der TACV-Caboverde Airlines via Praia (Insel Santiago) anfliegen. Außerdem gibt es Tagesausflüge mit dem CaboVerde Express von Sal bzw. Boavista aus

Gebirgsinsel Santo Antão

Die oftmals spektakuläre Bergwelt von Santo Antão erschließt sich erst so richtig, wenn Sie sich zu Hochgebirgswanderern zählen und auch im Urlaub richtig schwitzen möchten.

 Verbindung: Nachdem der kleine Flughafen in Ponta do Sol schon vor Jahren geschlossen wurde, wird jetzt darauf gehofft, dass irgendwann bei Porto Novo  auf der Südseite der Insel ein Flughafen gebaut wird, den zumindest die  ATR’s der TACV anfliegen können.

S. Nicolãu, Brava & Maio

Diese drei kleinen Inseln liegen etwas im Verkehrschatten der kapverdischen Inlandsfluglinie TACV. In Maio finden Sie die Abgeschiedenheit und Ruhe, welche stressgeplagte Menschen sicher schätzen. São Nicolãu ist die kleine Schwester von Santo Antão. Brava kann zwar schon lange nicht mehr angeflogen werden, ist aber inzwischen mit der Fähre fast regelmäßig erreichbar und ist ganzjährig mit die grünste Insel der Kapverden.

Egal,welche der kapverdischen Inseln nun Ihr Favorit ist, ob sie nun Inselhopping mit der kapverdischen Fluglinie TACV machen  oder nur mit der RoRo-Fähre von São Vicente nach Santo Antão übersetzen oder von Santiago aus direkt oder via Fogo mit der Fastferry weiter nach Brava zum wandern fahren, ich wünschen Ihne einen guten Flug, aber vor allem einen erholsamen, beeindruckenden und unvergesslichen Urlaub auf den Kapverden

(c) Gerhard Schellmann

Bild: tokamuwi / pixelio.de